Via Claudia Augusta – mit dem Rad von München nach Venedig

30.08.2013

Längere Radtouren haben wir zwar schon mehrfach unternommen, aber mit dem Radl über die Alpen - haben wir uns da nicht doch übernommen? Je näher der Starttermin rückte, desto mehr Zweifel kamen auf, aber am 15. August radelten wir bei strahlendem Sonnenschein los, zunächst auf vertrauten wegen an der Würm, vorbei am Ammersee und schon waren wir in Landsberg, unserem ersten Etappenziel.

Hinter Landsberg trafen wir auf die Via Claudia Augusta, die Radlroute über die Alpen, die der alten Römertrasse folgt. Die Spuren der Römer zogen uns gleich bei Erpfting, Altenmarkt oder Füssen in den Bann. Bislang wies unsere Route noch kaum Steigungen auf, aber hinter Reutte ging es über mistige Schotterwege steil bergan nach Heiterwang. Mit unseren aufgepackten Tourenrädern mussten wir den ganzen Aufstieg schieben. Entschädigt wurden wir aber mit einer rasanten Abfahrt ins Ehrwalder Becken. In Biberwier bezogen wir Quartier – mit perfektem Zugspitzblick.

Der weitere Aufstieg zum Fernpass auf der alten Schotter-Route, die gut 100Hm über der heutigen Passhöhe liegt, war dann relativ einfach. Die Abfahrt zum Fernsteinsee führte auf anspruchsvoller Trasse an senkrechten Felsabstürzen entlang, so dass wir immer wieder Schiebestrecken überwanden. Der weitere Weg über Nassereith und Imst nach Landeck war bis auf die Hitze im Inntal  recht einfach. Hinter Landeck ging es stetig bergauf. Der Radweg führt im Gegensatz zur Reschen-Bundesstraße direkt am Inn entlang. In Martina passiert man kurz die Schweizer Grenze um am anderen Innufer wieder in Österreich einzureisen. Vor uns lag die Norbertshöhe, die mit 11 Kehren und rund 500Hm für uns die größte Herausforderung dieser Reise darstellte. Von der gestrigen Hitze war nichts mehr zu spüren, und es fing zu regnen an so dass wir die Bergetappe mit „Wasserkühlung“ zurücklegten. Zum Glück steht an der Passhöhe ein Wirtshaus, an dem wir natürlich gerne einkehrten. Komplett durchnässt und durchgefroren suchten wir in Nauders Quartier.

Am nächsten Morgen rissen die Wolken auf, so dass die letzten Meter bis zum Reschenpass richtig Spass machten. Die anschließende rasante Abfahrt bis Meran verging viel zu schnell. Ein kühles Bier in der Brauerei Forst schmeckt bei Temperaturen von gut 35°C besonders gut. Über Bozen, Eppan und Kaltern kamen wir flott voran. In Lavis, kurz vor Trento wichen wir von der beschilderten Radlroute ab und wählten die Orginalroute der Römer. Leider war es mit der Orientierung recht schwierig  und wir mussten immer wieder auf schlechten Wanderwegen schieben. Gelegentlich fanden wir auch schöne Seitenwege, die im Nirwana endeten, dafür lernten wir einige nette Menschen kennen. Bei Pergine trafen wir wieder auf normale Radwege. Ein Bad im Levico See und wir fühlten uns wieder besser, bis es am Horizont tief schwarz wurde. Das Gewitter im Nacken trieb uns nach Levico Therme, wo wir den ersten Ruhetag unserer Tour mit baden und Besichtigungen verbrachten.

Gut erholt radelten wir bei herrlicher Wolkenstimmung entlang der Brenta durchs Valsugana. Landschaftlich war das die schönste Strecke und wir trafen nur wenige Menschen, da macht radeln richtig Spaß. Ein Augustiner Biergarten bei Vestina lud zur Rast bevor wir in Bassano del Grappa ein Hotel suchten. Entlang der Brenta bzw. des Brentakanals suchten wir am nächsten Tag den Weg zur Küste. Mit einer Unterbrechung wegen einer gerissenen Kette kamen wir trotz fehlender Radwegweiser ganz gut voran. Vor Chioggia erreichten wir die venezianische Lagune und damit das Meer.

Über die Inseln Pelestrina und Lido umrundeten wir die Lagune. Gerade auf Pelestrina lernt man ein ganz anderes Italien kennen, viel ruhiger und beschaulicher. Von Lido auf das Festland haben wir die falsche Fähre erwischt, sie fuhr nach Troncetto, den Hafen Venedigs. Mit unseren Rädern quälten wir uns durch dichten Großstadtverkehr zur Piazza Roma, den Stachus Venedigs, das erwies sich jedoch als Sackgasse, kein Vaporetto nahm uns mit, also wieder zurück zum Hafen und mit der nächsten Fähre raus zum Lido. Bei Sonnenuntergang erreichten wir das Festland, wo wir weiter nach Jesolo radelten. Im Hotel wurden wir bestaunt wie ein bunter Hund. Gäste die mit dem Radl über die Alpen angereist sind gab es hier noch nie. Ein Ruhetag am Strand war für uns nach den ruhigen Stunden am Radl richtig stressig, so dass wir nachmittags schon wieder unterwegs waren.  Dafür war am nächsten Tag der Ausflug nach Venedig, abseits der üblichen Touristenrouten richtig gemütlich und schön. Gerade der späte Nachmittag auf Burano war wunderschön. Auf unserer letzten Etappe nach Quarto di Altino ließen wir den Touristenrummel wieder hinter uns und genossen die Ruhe der Lagune, die wir damit auch fast komplett umrundet haben. Zum Abschluss besichtigten wir natürlich noch das Römische Museum in Altino, der frühen Vorläuferstadt von Venedig und antiker Ausgangspunkt der Via Claudia Augusta.

In Quarto di Altino holte uns am nächsten Morgen ein Kleinbus mit Radlanhänger zu einer Italienrundfahrt – so kam es uns jedenfalls vor, da er an sechs Stationen Radfahrer abholte -  mit Rücktransport nach München ab. Insgesamt sind wir in den zwei Wochen rund 850km mit insgesamt 5000Hm geradelt.

R&C